Haus bauen: Mit welchen Kosten müssen Sie rechnen?

Für Bauherren ist die Ermittlung der Gesamtkosten nicht ganz einfach und ziemlich aufwändig. Leichter fällt die Gesamtkostenermittlung, wenn durch einen erfahreneren Architekten bereits eine Planung vorliegt und für die wesentlichen Gewerke bereits Angebote vorliegen.

Ihr Finanzierungsvorhaben sicher kalkulieren

Die Ermittlung der Gesamtkosten ist auch deshalb so wichtig, da der Bauherr ohne eine schlüssige und genaue Kostenplanung, gegenüber der finanzierenden Bank den benötigten Finanzierungsbedarf nicht aufzeigen kann. Je genauer die Kostenplanung ist, umso höher ist die finanzielle Planungssicherheit und umso genauer kann das Finanzierungsvolumen festgelegt werden.

Folgende Kosten fallen in der Regel beim Hausbau an:

(1) Kaufpreis / Grundstückkosten

Ein Käufer oder Bauherr hat die Erwerbskosten für das Grundstück zu bezahlen. Häufig fallen noch Erschließungskosten an. Zu den Erschließungskosten gehören Abwasser, Wasser, Telefon/Datenversorgung, Strom und Gas. Es können auch Kosten für die Grundstückvermessung, Bäume fällen, Bodenuntersuchungen, Gutachten etc. anfallen und/oder Straßenerschließungskosten für die Zufahrt zum Grundstück.

Auflistung der Kosten zum Kaufpreis / Grundstück:

  • Erwerbskosten für das Grundstück
  • Erschließungskosten Abwasser/Wasser
  • Erschließungskosten Telefon/Datenversorgung
  • Erschließungskosten Strom
  • Erschließungskosten Gas
  • Grundstückvermessung
  • Bäume fällen
  • Bodenuntersuchungen
  • Gutachten
  • Straßenerschließungskosten für die Zufahrt

Informationsquellen: Bodenrichtwerte, Makler, Gemeinde, Bauträger

Video: Haus bauen: Mit welchen Kosten müssen Sie rechnen?


Dieses Video (Auszug aus dem Baufi-Kurs "Baufinanzierung leicht gemacht") zeigt Ihnen, eine typische Kostenkalkulation für ein Bauvorhaben und wie Sie den Finanzierungsbedarf ermitteln.

(2) Bau-/Herstellungskosten

Zu den Herstellungskosten zählen alle Kosten, die zur Errichtung des Gebäudes anfallen.

  • Auflistung der möglichen Baukosten:
  • Erdarbeiten
  • Abrisskosten / Bauschutt
  • Baustelle einrichten
  • Baustrom / Bauwasser
  • Maurerarbeiten
  • Beton / Stahl
  • Keller (Kellerabdichtung)
  • Isolierungen
  • Zimmerarbeiten
  • Dacheindeckung
  • Klempner / Sanitär
  • Heizung
  • Elektrik
  • Estrich
  • Fußböden
  • Fenster
  • Türen
  • Balkone
  • Terrassen
  • Gas-, Wasser- und Abwasserarbeiten
  • Treppenbau
  • Putzarbeiten
  • Malerarbeiten
  • Garage / Carport
  • Außenanlagen (Wege, Zaun, Gartenhaus, Grundstückserschließung)

Informationsquellen: Architekt, Handwerker, Sachverständiger, Gärtner


(3) Erwerbsnebenkosten

Die Erwerbsnebenkosten betragen häufig über 10 % des Grundstückskaufpreises. Der deutsche Staat berechnet je Bundesland zwischen 3,5 % bis 6,5 % Grunderwerbsteuer aus dem Kaufpreis. Hinzu kommt noch die Maklercourtage, diese liegt je nach Region zwischen 3 – 6 % % zzgl. Mehrwertsteuer, und die Notar-/Grundbuchgebühren (ca. 2 %).

Bei einem Grundstückskaufpreis von 200.000 Euro fallen in Bayern folgende Kosten an:

Grundstückspreis: 200.000,00 EUR
Maklercourtage: 7.140 EUR (3,57 %)
Notar-/ Grundbuchkosten: 4.000 EUR
Grunderwerbsteuer: 7.000 EUR

Gesamtkosten: 218.140 EUR

Auflistung der möglichen Erwerbsnebenkosten:

Informationsquellen: Internet Grunderwerbsteuersatz, Notar, Exposé, Makler


(4) Baunebenkosten

Der größte Posten bei den Baunebenkosten dürften die Kosten für den Architekten sein. Je nach Bauvolumen/-vorhaben und Gesamtkosten werden die Architektengebühren nach der Honorartabelle in der HOAI ermittelt. Die Kosten können durchaus bis zu 10 % der Gesamtkosten des Vorhabens betragen.

Auflistung der möglichen Baunebenkosten:

Informationsquellen: Sachverständiger, Architekt, Versicherungsgesellschaften


(5) Finanzierungskosten

Diese Kosten können im Zusammenhang mit einer Finanzierung anfallen.

Auflistung der möglichen Finanzierungskosten:

Informationsquellen: Berater, Banken, Vermittler


(6) Sonstige Kosten

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass bestimmte sonstige Kosten bei der Kalkulation einfach vergessen werden. Typische Beispiele sind die Umzugskosten oder die Mietkosten in der Bauphase. Sehr oft werden auch die Kosten für Inventar unterschlagen. Manche Bauherren finanzieren die Möbel auch über die Möbelkaufhäuser statt über die Bank.

Auflistung der möglichen sonstigen Kosten:

  • Umzugskosten
  • Möbel / Inventar
  • Küche
  • Kinderbetreuung in der Bauphase
  • Mietkosten in der Bauphase etc.

Informationsquellen: Berater, Möbelhäuser

Infografik: Mit diesen Kosten müssen Sie beim Hausbau rechnen?

Die Grafik zeigt eine typische Gesamtkostenkalkulation beim Hausbau.

Kosten beim Hausbau (Infografik)

Fazit: Die Ermittlung der Gesamtkosten für ein Bauvorhaben ist ein wichtiger Schritt. Die Gesamtkosten sind das Budget, mit dem ein Bauherr für das Bauvorhaben wirtschaften muss. Reicht das Geld nicht, wird eine Nachfinanzierung benötigt. Eine Nachfinanzierung ist in der Regel teuer, deshalb sollte der Bauherr vor der Finanzierung eine detaillierte Kostenschätzung für das Bauprojekt vornehmen und möglichst alle Kosten berücksichtigen und solide schätzen. Besser ist es, wenn Handwerker bereits verbindliche Angebote für die jeweiligen Gewerke eingereicht haben.

Für eine erste Kalkulation der Finanzierungssumme können Sie auch unseren Budgetrechner benutzen.

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